Neuanfänge

Neben der, Anfang des Jahres stattfindenden, Saturn-Pluto-Konjunktion, gab es 2020 drei Jupiter-Pluto-Konjunktionen und am 21. Dezember 2020 findet eine Jupiter-Saturn-Konjunktion statt, die einen Epochenwechsel markiert.

keimling, neuanfang, 2020Wenn wir an dieses Jahr zurückdenken, verbinden wohl viele Menschen es mit Leid, Chaos, Tod, Verzweiflung, Einschränkung und Angst. Das ist bei sehr starken Steinbock-Konstellationen in Verbindung mit Pluto nicht verwunderlich. Wo immer Pluto ausgelöst wird, kommen wir in Berührung mit tiefen existenziellen Themen, mit Abgründen, Tabus und Tod. Andererseits lehrt Pluto uns aber auch die Gesetze der Lebendigkeit, zeigt uns auf, was die Welt im Innersten zusammenhält und beschert uns starke Vorstellungsbilder, nach denen wir unsere Welt gestalten. Neben zahlreichen Untergängen, bescherte uns dieses Jahr auch viele Neuanfänge und Aufgänge. Immerhin beginnen in diesem Jahr gleich drei neue Zyklen.

Neben der, Anfang des Jahres stattfindenden, Saturn-Pluto-Konjunktion, gab es drei Jupiter-Pluto-Konjunktionen, deren letzte erst vor wenigen Tagen stattfand. Die am 21. Dezember 2020 stattfindende Jupiter-Saturn-Konjunktion wird das Jahr dann beschließen.

Gemäß Dane Rudhyar (1994) können wir bei jedem Zyklus aus zwei Himmelskörpern unterschiedliche Phasen beobachten. Am Beispiel des Sonne-Mond-Zyklus kennen wir den Neumond, den zunehmenden Halbmond, den Vollmond, den abnehmenden Halbmond und den neuerlichen Neumond. In der Interpretation werden sie als Samenperiode (Neumond oder Konjunktion), Durchbruchskrise (Halbmond oder erstes Quadrat), volle Blüte (Vollmond oder Opposition) und Aussaat (abnehmender Halbmond oder abnehmendes Quadrat) gelesen. Dies gilt grundsätzlich für jedes Paar von Himmelskörpern, der Sonne-Mond-Zyklus ist wegen seiner klaren Beobachtbarkeit am Himmel nur am eindrücklichsten. Daneben gibt es aber unzählige weitere Zyklen, wie etwa den Venus-Mars-Zyklus, den Mars-Sonne-Zyklus oder auch die Langsamläufer-Zyklen, zu denen etwa der Jupiter-Pluto- und der Saturn-Pluto-Zyklus gehören. Der langsamste ist der Neptun-Pluto-Zyklus mit eine Dauer von annähernd 500 Jahren. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über diese neuen Zyklen und versucht zu beschreiben, was hier vermutlich neu entstehen könnte.

Neubeginn 1 – Der Saturn-Pluto-Zyklus

Saturn-Pluto-Zyklus, 2020 bis 2054
Abb. 1. Der neue Saturn-Pluto-Zyklus von 2020 bis 2054.

Saturn-Pluto waren die ersten beiden Planeten, die sich 2020 zu einer Konjunktion trafen. Sie begründeten damit einen neuen Zyklus, der bis 2054 dauert. Die Konjunktion selbst ist so etwas wie die Aussaat eines Zyklus. Wir können um die Konjunktion meist noch nicht klar erkennen, was hier Neues entstanden ist. Oft sind die Energien zunächst chaotisch, vieles geht durcheinander und wir gewinnen den Eindruck, alles werde immer schlimmer. Der Saturn-Pluto-Zyklus ist ein mittellanger Zyklus, der etwa 33 bis 38 Jahre lang dauert.

Die Konjunktion von Saturn und Pluto dauerte bei 5 Grad Orbis von 24. Februar 2019 bis 28. November 2020. Wollte man einen noch größeren Orbis von 10 Grad annehmen, so könnten wir die Wirksamkeit dieser bedeutenden Konjunktion auch von 22. Dezember 2018 bis 21. Januar 2021 annehmen. Allerdings gehe ich davon aus, dass die Wirksamkeit der Konjunktion spätestens mit dem Eintritt von Saturn in den Wassermann, am 17. Dezember 2020, deutlich nachlässt.

Themen von Saturn-Pluto

Im Zusammentreffen Plutos mit Saturn, wurden bisherige Vorstellungen (Pluto) beendet (Saturn). Sowohl Pluto als auch Saturn werden in der Astrologie mit dem Tod in Verbindung gebracht, Pluto eher mit dem psychologischen Tod im Leben, Saturn eher mit dem tatsächlichen, realen Tod und dem ganz konkreten Ende der Dinge.

Wir erlebten in diesem Jahr wortwörtlich, wie viele Staaten stillstanden, in einen Lockdown gingen und manches neu bewerten mussten, was in der Vergangenheit geschah. Viele scheinen selbst nach einem Jahr immer noch die Wirtschaft und ihr Florieren höher zu bewerten als Menschenleben. Individuelle Freiheit oder, je nach Sichtweise, purer Egoismus scheint manchen wichtiger zu sein, als das Wohl der Allgemeinheit oder der Schutz von älteren und gefährdeten Menschen. Unter der Oberfläche entstand aber wahrscheinlich etwas ganz Neues. So hat sich etwa der Staat eine Autorität zurückgeholt, die er lange Zeit an Konzerne abgegeben hatte. Sehr viele Menschen begreifen, dass es sinnvoll sein kann, persönliche Unannehmlichkeiten und Einschränkungen in Kauf zu nehmen, um für die gesamte Gesellschaft größeren Schaden abzuwenden. Wir haben auch erkannt, wie träge und unzeitgemäß manche staatlichen Strukturen sind und wo überall Reformen nötig sind. Auch das Thema Nachhaltigkeit und langfristige Lösungen wurde immer wieder aufgeworfen. Hier dürfte also der Same für gänzlich neue Werte grundgelegt worden sein.

Psychologisch betrachtet geht es bei Saturn ganz oft auch um Schuld. Und wir haben in diesem Jahr sehr häufig erlebt, wie schnell Schuldzuweisungen bei der Hand waren, wenn Infektionszahlen stiegen, Terroranschläge die Welt erschütterten oder Versäumnisse in der Politik, im Gesundheitswesen oder im Bildungsbereich offensichtlich wurden. Dass sich Saturn und Pluto auch noch im Steinbock trafen, verstärkte diese Tendenz in Richtung Schuldzuweisungen. Der saturnische Anteil in uns hat den Wunsch, alles vollkommen richtig und mustergültig zu machen. Er scheitert aber regelmäßig an der Realität, denn Perfektion und Menschlichkeit gehen nicht zusammen. Wir sind als Menschen fehlerbehaftet, wir sind nicht perfekt, wir können uns bemühen, es möglichst gut zu machen, aber Vollkommenheit werden wir wohl nie erreichen. Pluto hingegen will von uns Wandlung, Läuterung und Transformation. Es dürfte sich damit lohnen, mit Schuldzuweisungen ein wenig zurückhaltender zu sein und zuerst bei uns selbst, in unserem Inneren nachzusehen, was wir aus einer bestimmten Situation lernen können, was wir besser machen könnten und was wir beitragen können, um der Gesellschaft, die auch ein Steinbock-Thema ist, nützlich zu sein.

Mein Eindruck ist, dass es auch um Geschwindigkeit geht. Wir erlebten davor Jahrzehnte des Wachstums, der bunten Bilder im Internet und rasch wachsender Startups, die aus dem Nichts zu entstehen schienen und teilweise in Windeseile zu millionenschweren Konzernen heranwuchsen. Was wir aber gerne übersahen, war, dass viele dieser Startups rasch wieder zerplatzten wie Seifenblasen im Wind. Die Lächerlichkeit sogenannter Influencer, die sich von Konzernen instrumentalisieren ließen und sich selbst tatsächlich für wichtig hielten, habe ich hier schon einige Male erwähnt. Mit dem neuen Saturn-Pluto-Zyklus dürfte es vermehrt um Nachhaltigkeit, Klarheit und Langsamkeit gehen, vor allem aber auch um solide, gewachsene Strukturen und ernsthafte, durchdachte und seriöse Unternehmungen. Mit leeren Versprechungen von schnellem Erfolg wird in Zukunft kein Geschäft zu machen sein. Kundinnen und Kunden werden mit dieser massiven Steinbock-Energie sehr stark auf Qualität, solide Ausbildungen und Referenzen achten.

Welcher Same mit der Konjunktion eines Zyklus tatsächlich gesät wurde, erfahren wir in größerer Deutlichkeit meist um die erste große Krise des Zyklus, der sogenannten Durchbruchskrise, die wir beim Quadrat der beiden Langsamläufer erleben werden. Dieses zunehmende Quadrat ereignet sich 2028/29, wie in der obigen Tabelle ersichtlich ist. Die dritte Spalte "Tierkreisgrade" nennt die Zeichenposition von Saturn immer zuerst. 8°23′ Stier/Wassermann ist also so zu lesen, dass Saturn im Zeichen Stier und Pluto im Zeichen Wassermann steht. Manchmal ereignet sich eine Konstellation wegen der Rückläufigkeit der beteiligten Planeten mehrmals, was mit den Zahlen in Klammern verdeutlicht wird.

Neubeginn 2 – Der Jupiter-Pluto-Zyklus

Abb. 2. Der neue Jupiter-Pluto-Zyklus von 2020 bis 2033.

Der zweite große Zyklus, der uns dieses Jahr beschäftigte, war der Jupiter-Pluto-Zyklus. Die Konjunktion der beiden Planeten ereignete sich drei Mal, zum letzten Mal erst vor wenigen Tagen, am 12. November 2020. Mit einem Orbis von 5 Grad begann die Konjunktion am 28. Februar und endet am 13. Dezember 2020. Bei 10 Grad Orbis hätte die Konjunktion am 30. Januar 2020 begonnen und endete am 7. Januar 2021. Allerdings dürfte auch hier die Wirksamkeit der Konjunktion mit dem Eintritt von Jupiter in den Wassermann, am 19. Dezember 2020 deutlich nachlassen. In der dritten Spalte der Grafik ist die Jupiter-Position immer zuerst genannt. Der Jupiter-Pluto-Zyklus ist mit 13 Jahren einer der kurzen Langsamläufer-Zyklen.

Themen von Jupiter-Pluto

Rückblickend habe ich den Eindruck, dass uns die Konjunktion von Jupiter und Pluto in diesem Jahr fast stärker beschäftigte als die Saturn-Pluto-Konjunktion. Immer wieder ging es um Vorstellungen, Visionen, Sinnstrukturen, die mit einer dogmatischen Vehemenz, Fanatismus und Unbedingtheit vertreten wurden. Sichtweisen wurden starr und unverrückbar, Menschen haben sich in Wahnsystemen festgefressen und wurden unkorrigierbar. Für viele gab es nur noch schwarz oder weiß, entweder du bist für mich oder gegen mich. Differenzierungen wurden kaum ausgehalten, obwohl sich Standpunkte in sich oft stark widersprachen. Satiriker sprachen beispielsweise von der "Schrödinger-Maske", in Anspielung auf Schrödingers Katze, die in seinem quantenphysikalischen Gedankenexperiment in der Kiste sowohl lebendig als auch tot ist. In Bezug auf den Mund-Nasen-Schutz behaupteten die Kritiker nämlich zugleich, dass diese völlig sinnlos wäre, weil das Virus ungehindert durchginge, andererseits aber auch, dass Kinder durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ersticken würden. Ein klarer Widerspruch, der manchen wahrscheinlich gar nicht auffiel. In den sozialen Medien wurden regelrechte Glaubenskriege um dieses vergleichsweise uninteressante Thema ausgefochten, es wurde von Diktatur gesprochen oder auch von einer Einschränkung der Grundrechte.

Es gibt nur eine falsche Sicht: die Überzeugung, meine Sicht ist die einzig Richtige. (Nagarjuna)

Für den Jupiter-Pluto-Zyklus erscheint es mir noch schwerer abzuschätzen, was hier neu begonnen hat, welcher Same hier gesät wurde. Geht es hier um den immanenten Sinn von Strukturen? Geht es um die Relativität von Wahrheiten? Oder warfen Jupiter und Pluto im Steinbock die Frage auf, welche Werte wir als Gesellschaft, vielleicht sogar als Menschheit, in Zukunft vertreten wollen? Jupiter-Pluto hat etwas von einem zwanghaften Weltverbesserer. Menschen mit Jupiter-Pluto-Konstellationen im Radix wollen häufig das Bewusstsein ihrer Mitmenschen mit der "Brechstange" anheben oder ihren Horizont mit Druck, Drohungen und Angst-Visionen erweitern. Das führt dann dazu, dass die Mitmenschen sich von ihnen distanzieren, womit nichts erreicht wurde außer Spaltung, Missgunst und Dialogabbruch. Und besonders klug und besserwisserisch sind wir natürlich, wenn diese Konstellation auch noch im Steinbock stattfindet, denn dann kommt Perfektionismus und der Anspruch, die Dinge maßstäblich und ultimativ richtig zu machen, noch dazu.

Es ging viel um Medienkontrolle in diesem Jahr, zum einen im Zusammenhang mit der US-Wahl, zum anderen aber auch im Zusammenhang mit beunruhigenden Falschmeldungen und Panikmache in den Sozialen Medien. Twitter, Facebook und Co werden von Regierungen mittlerweile viel stärker in die Pflicht genommen, Hassnachrichten, Falschmeldungen und sektiererische Verschwörungserzählungen konsequent zu löschen oder zumindest mit einem Hinweis zu versehen, dass diese offenbar Fakten widersprächen. Es wurde viel diskutiert über Wahrheiten und Wirklichkeitsauffassungen. Einige scheinen die Wirklichkeit 1. Ordnung (Fakten) und die Wirklichkeit 2. Ordnung (Interpretationen der Fakten) immer noch nicht unterscheiden zu können und verwechseln Meinungsfreiheit mit einem Recht auf Unsinn oder bizarre Wirklichkeitsverzerrungen (Watzlawick, 2012). Es scheint hier die Steinbock-Energie (Fakten) mit den Wirklichkeitsinterpreten Jupiter und Pluto zu ringen. Und auch so mancher Präsident ist offenbar der Meinung, wenn man eine Lüge nur oft genug erzählt, wird sie irgendwann für die Wirklichkeit gehalten.

Einen interessanten Zusammenhang mit den Jupiter-Pluto-Konjunktionen hat übrigens der amerikanische Astrologe Chris Brennan entdeckt. Ihm ist aufgefallen, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen fast zeitgleich mit den drei exakten Konjunktionen im April, Juni und November 2020 eine maximale Höhe erreichten. Vielleicht ist das noch kein Beweis für die Astrologie, aber doch ein sehr starkes Indiz, dass die kosmischen Zyklen im irdischen Geschehen widergespiegelt werden. Siehe: Chris Brennan: Zusammenhang Jupiter-Pluto-Konjunktionen und Corona-Infektionen

Abschließend möchte ich einen Gedanken aus dem Taoismus ansprechen, der Jupiter-Pluto erhellen könnte, aber auch das gesamte Jahr 2020 insgesamt. "Das Gute können wir nur erkennen, weil es das Böse gibt." Es ist also alles eine Frage von Vordergrund und Hintergrund, wie das die Gestalttherapie formulieren würde. Würde uns die Freiheit nicht genommen, wüssten wir ihren Wert nicht zu schätzen. Und noch stärker gilt das für Körperlichkeit, Nähe und Berührung. Erst jetzt, wo wir uns alle distanzieren und absondern müssen, wo wir zu Hause in unseren vier Wänden sitzen müssen und keine anderen Menschen treffen dürfen, wissen wir den Wert von Berührung, Umarmungen, Küssen zu schätzen. Indem wir krank werden, wissen wir erst den Wert von Gesundheit zu schätzen. Wenn alles reibungslos läuft, nehmen wir vieles als selbstverständlich. Indem wir mit tiefen Abgründen, Angst, Verlassensein, Einsamkeit und innerer Not ringen (Pluto), recken wir unseren Hals in Richtung Sinn, größeren Perspektiven und Zukunft (Jupiter).

Victor Frankl und Jupiter-Pluto

Radis Victor Frankl
Abb. 3. Victor Frankl, 26.3.1905, 17:46 Uhr, Wien (Rodden Rating: C, Geburtszeitkorrektur von Starkman).

Dazu fällt mir Victor Frankl, der Gründer der Logotherapie und Existenzanalyse ein. In seinem Buch "Und trotzdem Ja zum Leben sagen" berichtet er von seiner Zeit im Konzentrationslager und wie das Finden eines Sinns, in dieser schrecklichen Zeit, ihm das Leben rettete. Der von ihm gegründeten Therapieschule geht es vor allem um das Finden eines Lebenssinns, auch und vor allem in der Dunkelheit.

Zwar gibt es keinen Hauptaspekt zwischen Frankls Jupiter und Pluto, bei genauerer Betrachtung können wir aber dennoch eine sehr starke Betonung dieser beiden Prinzipien erkennen. Zum einen stehen Jupiter und Pluto in recht exaktem Halbquadrat (45 Grad-Aspekt) und zum zweiten steht Jupiter im Haus Plutos und Pluto im Haus Jupiters. Obendrein steht die Herrscherin von 1, die Venus, im 8. Haus und herrscht zugleich auch über das 9. Haus. Hier verbinden sich also auf verschiedenen Ebenen die Energien von Jupiter und Pluto, der Sinn und die Perspektive in den menschlichen Abgründen, Tabus und Verstrickungen.

Welche Leitbilder (Pluto) wollen wir also in den nächsten 13 Jahren predigen (Jupiter)? Welchen Sinn werden wir für uns finden? Wo werden wir gänzlich neue Werte etablieren? Das ist der Inhalt dieses neuen Zyklusses von Jupiter und Pluto. Mit dem ersten Quadrat dieses Zyklus im Mai 2023, dürften wir dann klarer sehen, welche neuen Werte wir etablieren konnten.

Neubeginn 3 – Der Jupiter-Saturn-Zyklus

Jupiter-Saturn-Zyklus
Abb. 4. Der neue Jupiter-Saturn-Zyklus von 2020 bis 2040.

Der letzte große Zyklus dieses Jahres wird am 21. Dezember 2020 auf 0°29′ Wassermann beginnen. In vielerlei Hinsicht stellt das einen Neuanfang und einen Bruch mit alten Energien dar. Mit Ausnahme der Jahre 1821 und 1980 haben nämlich alle Jupiter-Saturn-Konjunktionen der letzten 200 Jahre in Erdzeichen stattgefunden. Die Konjunktion dauert bei 5 Grad Orbis vom 28. April 2020 bis 2. Februar 2021 und bei 10 Grad Orbis vom 14. Februar 2020 bis 16. März 2021. Exakt wird sie aber nur einmal am 21. Dezember 2020. Auch dieser Zyklus gehört zu den schnelleren Langsamläufer-Zyklen.

Der große Jupiter-Saturn-Zyklus

Der Jupiter-Saturn-Zyklus selbst dauert ziemlich genau 20 Jahre. Es gibt aber einen übergeordneten größeren Zyklus, demzufolge Jupiter-Saturn-Konjunktionen immer etwa 200 Jahre lang in Zeichen der gleichen Elementequalität stattfinden. Zwischen den Elemente-Wechseln gibt es Übergangsphasen, so fanden etwa die Jupiter-Saturn-Konjunktionen des 17. und 18. Jahrhunderts im Wesentlichen in Feuerzeichen statt, dann gab es 1802 eine erste Erdzeichen-Konjunktion auf 5°08′ Jungfrau. Ihr folgte 1821 eine weitere und nunmehr letzte Feuerzeichen-Konjunktion auf 24°39′ Widder. Danach fanden ab 1842 alle Konjunktionen nur noch in Erdzeichen statt und zwar bis 1980/81. Damals gab es die erste Luftzeichen-Konjunktion auf 5° bis 9° Waage. Ihr folgte eine weitere Erdzeichen-Konjunktion im Mai 2000 auf 22°43′ Stier. Ab 21. Dezember 2020 werden die nächsten Jupiter-Saturn-Konjunktionen jetzt alle in Luftzeichen stattfinden. 2159 findet dann die erste Konjunktion in einem Wasserzeichen statt, ihr folgen aber weitere zwei Konjunktionen in Luftzeichen, nämlich 2179 in den Zwillingen und 2199 noch einmal im Wassermann. Erst ab 31. Oktober 2219 werden dann alle weiteren Konjunktionen in Wasserzeichen stattfinden.

Dieser epochale Übergang wird von vielen Astrologen mit dem Ende des kapitalistischen Zeitalters und dem Beginn des Informationszeitalters in Verbindung gebracht. Und wie bei jedem Zeitalter gibt es Übergänge. So erlebten wir ab den 1980-er Jahre eine zunehmende Computerisierung und Vernetzung, die auch nach der neuerlichen Erdzeichen-Konjunktion im Jahr 2000 weiterging. Dennoch dürfte in den letzten 20 Jahre der materialistische Blick auf die Welt wieder stärker geworden sein. Auch Immobilien, eine Stier-Domäne, legten an vielen Orten dieser Welt immens an Wert zu. Mit dem nun beginnenden Luft-Zeitalter dürfte die Währung mehr und mehr Information heißen und nicht mehr Immobilien, Besitz oder Geld. Wer über Informationen verfügt, beherrscht in den nächsten 200 Jahren die Welt.

Themen von Jupiter-Saturn

Jupiter-Saturn-Konjunktionen gehen häufig mit Herrschaftswechseln einher. Ein alter Herrscher stirbt oder tritt ab und ein neuer taucht auf. In den USA wird am 20. Januar 2021, wenn die Jupiter-Saturn-Konjunktion immer noch recht exakt ist, tatsächlich ein neuer Präsident ins Amt eingeführt. Übrigens gibt es eine astrologische Vermutung, wonach Präsidenten der USA, die während einer Jupiter-Saturn-Konjunktion angelobt werden, regelmäßig im Amt sterben. Inwieweit das zutrifft und Joe Biden möglicherweise nur kurze Zeit Präsident der USA sein könnte, werde ich in einem separaten Artikel untersuchen.

Thematisch hat dieser Zyklus mit Wachstum und seinen Grenzen zu tun, mit unseren Ansprüchen auf Autonomie und mit kalkulierten Risiken. Es geht darum, uns realistische Ziele zu setzen. Wir loten den Rahmen unserer Möglichkeiten aus, empfinden gesteigerten Ehrgeiz und haben wieder mehr Ausdauer als sonst. Auf die Stellung von Jupiter und Saturn im Wassermann bezogen, expandieren wir in neuem Terrain, erproben neue Netzwerke und ermöglichen Fortschritt und Humanismus. Nicht mehr Verbote, Grenzen und Strukturen stehen im Vordergrund, sondern Möglichkeiten, Zukunftschancen und Veränderungspotenziale.

Das Zeichen Wassermann, in dem die Konjunktion stattfindet, verbinden wir auch mit Unterbrechungen, Distanzierung, Revolution und Erneuerung. Nicht mehr das Bestehende steht jetzt im Fokus, sondern die Zukunft und das Neue. Zusammen mit dem, das ganze Jahr 2021 wirksamen, Saturn-Uranus-Quadrat dürften wir das Zerbröckeln und Zerfallen von zahlreichen alten Strukturen erleben. Jupiter und Saturn im Wassermann bringen uns zugleich Ideen und Chancen im Bereich Gesellschaft, Humanität und Netzwerken und zeigen uns auch Grenzen auf. Insbesondere der Januar 2021 dürfte uns eine Veränderungs-Wut bescheren, die von einer unglaublichen Wucht und Stärke sein wird. Für beinahe drei Wochen stehen dann Uranus und Mars im Zeichen Stier in Konjunktion und bilden ein Quadrat mit der Jupiter-Saturn-Konjunktion. Sonne und Merkur lösen die Konstellation zusätzlich aus und heizen sie an.

Neumond vom 15. November 2020

Abb. 5. Neumond 15. November 2020, 5:07 Uhr UT, ohne Häuser.

Ein weiterer Neuanfang ist der Neumond vom 15. November 2020. Mit seiner sehr stark skorpionischen Qualität bildet er gewissermaßen einen Schlusspunkt der Jupiter-Pluto-Konjunktionen. Die letzte Jupiter-Pluto-Konjunktion liegt erst wenige Tage zurück und der Neumond selbst findet in sehr exaktem Sextil mit Jupiter und Pluto statt. Gleichzeitig bildet auch Venus ein exaktes Quadrat mit Pluto und läuft in den Tagen danach in ein Quadrat mit Jupiter und Saturn.

Der nachfolgende Vollmond vom 30. November ist dann eine Halbschatten-Mondfinsternis in den Zwillingen. Die Jupiter-Pluto-Konjunktion wird dann bereits aus einem Orbis von 3 Grad laufen, während Jupiter und Saturn sich schon auf 2 Grad angenähert haben werden. Dass diese Mondfinsternis vor allem die USA erschüttern dürften, da sie in Konjunktion mit dem Deszendenten des USA-Horoskops und in Konjunktion mit dem Uranus der USA stattfindet, hebt Claude Weiss im Oktober-Heft von Astrologie heute hervor (Weiss, 2020).

In gewisser Weise richtet der Neumond vom 15. November das letzte Mal die Frage an uns: Welchen Leitbildern wollen wir folgen? Was sollen unsere Werte für die nächsten 13 Jahre sein? Was erachten wir als gut und gerecht und was nicht? Vielleicht auch: was kann endgültig sterben in diesem Jahr und was möchten wir behalten?

Auf der persönlichen Ebene ist wichtig, welche Aspekte die Neumondkonstellation in Bezug auf Ihr Geburtshoroskop bildet und in welches Haus sie fällt. Es dürfte auch sinnvoll sein, zu betrachten, welche Rolle das Zeichen Skorpion sowie die wichtigen Planeten Jupiter und Pluto in Ihrem Radix spielen.

 

Literatur

Brennan, Chris (2017). Hellenistic Astrology. The Study of Fate and Fortue. Amor Fati Publications.

Frankl, Victor (2018). …Trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. Penguin.

Rudhyar, Dane und Rael-Rudhyar, Leyla (1994). Der Sonne/Mond-Zyklus. Ein Schlüssel zum Verständnis der Persönlichkeit. Edition Astrodata.

Watzlawick, Paul (2012). Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wahn, Täuschung, Verstehen. Piper.

Weiss, Claude (2020). Die Finsternisse von November/Dezember 2020 und die Saros Serie 4 Süd. In Astrologie heute, Nr. 207, von Oktober/November 2020.

Bildnachweis

Die Bilder stammen von pixabay.com, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

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